Standortwahl im Garten

 

 
Ist man mit einem größeren Gartenareal gesegnet, so ist es meist leicht, 'optimierte' Standorte für die Pflanzung einer oder mehrerer Magnolien zu lokalisieren.

Nun ist aber nicht jeder Pflanzenfreund in dieser bevorzugten Ausgangslage und häufig kann wirklich nur eine Magnolie gepflanzt werden.

Der einfach Grundsatz lautet daher:

Je weniger ich auf sorten-spezifische Ansprüche reagieren kann, desto wichtiger ist es, solche Magnolien zu wählen, die am geplanten Gartenstandort bestmögliche Bedingungen vorfinden.

Dies mag als 'Binsenweisheit' erscheinen, wir müssen aber feststellen, daß hier in der 'Tiefe' des deutschen Hobby-Gärtnertums durchaus noch Bedarf an Hilfestellungen besteht.

 

 

Sonne und Schatten

In unseren Breiten genießen die meisten Magnoliensorten und -arten ganz eindeutig eine überwiegend sonnige Lage.

Sind zudem die Bodenverhältnisse gut, wachsen sie hier erkennbar am besten und bilden bald einen reichen und konstanten Blütenansatz. Außerdem erreichen sie hier eine gute Holzausreife - enorm wichtig, um ohne Schäden den nächsten Winter zu durchstehen.

Hier bringen Sie ihr volles Potenzial zur Geltung!


‚Überwiegend sonnig’ heißt aber auch, dass (fast alle) Magnolien wechselnde Lichtbedingungen sehr gut vertragen.

Dennoch sollte die Sonnenbilanz immer ein 'Haben' ausweisen.

Solche Wechselbedingungen setzen entweder bestehende, schattenspendende Pflanzungen voraus oder man kann mit Gebäudeschatten 'arbeiten'. Auf der planen Fläche eines neuen Reihenhausgartens werden in der Regel weniger Optionen bestehen.

Schatten bzw. Teilschattierung ist hier in den ersten Jahren meist Mangelware. Keine Sorge - die Gattung Magnolie hält für Sie mehr als ausreichend 'Sonnenkinder' bereit !

 

Südstaatlern, wie der immergrünen 'Magnolia grandiflora', kann es bei uns kaum heiß genug werden, sie genießt es besonders - sogar als Spalier gezogen- vor wärme- reflektierenden Mauern.
Die Formen der schönen 'Magnolia virginiana' verlangen im Sommer neben einem hohen Maß an Wärme auch viel Boden- und Luftfeuchtigkeit, weshalb sie hier bei uns an einigen Standorten nicht wüchsig sind. Ein 'Hot Spot' an einem nahen Gartenteichufer ist immer ein Versuch wert, diese bezaubernde Art zu kultivieren.


Einige Arten, wie z.B. 'Magnolia sieboldii' oder 'Magnolia wilsonii', fordern einen mindestens halbschattigen oder absonnigen Standort, der vor allem im Sommer die Strahlung der heißen Mittagsstunden deutlich abmildert. Auch bei ausreichender Bodenfeuchtigkeit haben die Blätter eine geringe 'Sonnenresistenz' und wir haben Sieboldii-Blätter binnen Stunden verbrennen gesehen, obwohl sie quasi im ‚Sumpf’ standen.

Anmerkung: Da bei uns die 'Magnolia sieboldii' im Handel gerne als 'Sommer-Magnolia' angepriesen wird, ist es Niemandem zu verdenken, den Neuerwerb in rechter Sonnenlage zu pflanzen - zudem, wenn das Etikett dies durch die Symbolik noch klar empfiehlt.

Diese Informationen sind aber wenig hilfreich. 'Magnolia sieboldii' führt einsam die Hitparade 'negativer Vorerfahrungen' bei unseren Kunden und Interessenten an.

 


 

Heißer Kopf und kühler Fuß !

Je kühler und konstant feucht auch im Hochsommer der Boden im Wurzelbereich bleibt, um so wohler fühlen sich Magnolien und beantworten diese Situation mit erkennbarer Vitalität:

Magnolien sind Flachwurzler. Der Boden an den natürlichen Standorten wird von herab fallendem Laub sowie benachbarten Baumkronen oder einer Strauchschicht beschattet und somit kühl gehalten.

Die Verdunstung von Wasser wird reduziert und wertvolle Feuchtigkeit in den wurzelnahen Erdschichten bewahrt..

Wenn junge Magnolien -frei auf einer Rasenfläche gepflanzt- nicht recht wachsen wollen, kann die aufgeheizte Erde im Sommer ein auslösender Faktor sein. Wässern allein kann hier nicht Abhilfe schaffen.

Eine passende Unterpflanzung sowie eine teperaturmildernde Mulchschicht machen in dieser exponierten Lage schnell den entscheidenden Unterschied.

Magnolien bieten sich -wie kaum ein anderes Gehölz- zur 'Solitär-Pflanzung' an, also freistehend, dennoch sind sie von Natur aus alles andere als Einzelgänger.

Im Gegenteil - sie lieben es, wenn man sie in grüne 'Gemeinschaften' integriert.

Bitte denken Sie also daran, dass 'Mulchen’ und ‚Unterpflanzung’ eine ganz natürliche Optimierung für den Magnolienstandort darstellen !

Beiden Themen werden wir ein eigenes Kapitel widmen.


 

Wintersonne

Einige Arten wie Magnolia sprengeri, M.sargentiana var.robusta oder M.campbellii sowie einige Hybriden mit hohem genetischen ‚Wirkungsgrad’ dieser Magnolien als Elternsorte, neigen zu Rindenrissen vorzugsweise im Stammbereich, wenn sie, vor allem während Frostperioden im Spätwinter gleichzeitig intensiver Sonne ausgesetzt sind.

Wer über Standortalternativen verfügt, kann bei diesen Magnolien z.B. durch die Bevorzugung einer ‚offenen’, tagessonnigen Nordlage Schäden vermeiden bzw. reduzieren.

Zudem können diese ‚kühleren’ Standorten bei regulärem Witterungsverlauf im Frühjahr eine deutlich messbare Verzögerung des Blühbeginnes bewirken.

Wir registrierten Verzögerungen von bis zu zwei Wochen für gleiche Sorten bei Parallelstandorten in sonnenexponierter Südlage und tagessonniger Nordlage.

In spätfrostgefährdeten Regionen ist dies ebenfalls ein probates Mittel, um sehr früh blühende Magnolien vor dem Schlimmsten bewahren zu können.


Überwiegend entstehen 'Frost Cracks' (Rindenrisse) auf dem ersten Höhenmeter des Stammes. Da sie kaum zu behandeln sind, können Sie zu schweren Infektionen führen und eine Pflanze massiv schädigen. Kleinere 'Wunden' heilt der Baum durchaus rasch.

Unter uns Magnolienfreunden wurde hierüber viel diskutiert und nichts ausgelassen. Als völlig untauglich haben sich z.B. weiße Schutzanstriche der unteren Stammbreiche erwiesen (zudem wäre eine Magnolie wohl kaum grauenhafter zu entstellen!).


Empfohlen werden kann:

Hüllen Sie im späten Herbst den Stamm bis max. 150cm Höhe in eine Lage 'Baumvlies' wie es heute besonders zum Herbst hin angeboten wird.

Wichtig: Lassen Sie zunächst einige Frostnächte vergehen, um kein wohliges Refugium für allerlei Schadinsekten zu schaffen!

Wie gesagt - das Vlies soll nicht dazu dienen, den Baum zu 'wärmen'.

Denken Sie auch daran, es recht früh wieder zu entfernen (in wärmeren Gebieten etwa zum Frühlingsanfang im März), damit kein 'Hitzestau' unter der Folie entsteht.


 

 

Mikroklima

Ein sehr spannendes Thema gerade im Hinblick auf die 'Winterhärtezonen'-Diskussion!

Kultivieren Sie gerne Magnolien am ‚nördlichstem Punkt’ ihrer Überlebensfähigkeit, bietet Ihr Garten vielleicht 'bevorzugte' Standorte, die übliche lokale Klima- und Wetterphänomene spürbar abmildern.

Schon einen Steinwurf weiter, wäre diese Magnolie vielleicht schon dem sicheren Untergang geweiht.

Neben warmen 'Innenhofsituationen', die desaströsen Polarwinden im Winter keine Chance bieten, mildern auch größere Wasserflächen 'Temperaturspitzen' und bieten Sorten, die eine höhere Luftfeuchtigkeit zu schätzen wissen, sehr gute Voraussetzungen.

Die bekannte Blumeninsel 'Mainau' im Bodensee verkörpert diese Effekte beispielhaft, obwohl sie endlos weit entfernt liegt von einer 'subtropischen' Vegetationszone.


 

 

Wind

Nun gibt es zweifellos in jedem Garten Wind und auch einmal einen Sturm. Da müssen dann alle Pflanzen durch, schließlich können wir (gottseidank) keine Glocken über den Garten stellen.

Dort, wo sie allerding einen regelrechten ‚Windkanal’ beobachten, sollte von der Pflanzung einer Magnolie abgesehen werden.

Bei den Frühjahrsblühern gilt: Je größer die Einzelblüte einer Magnolie, desto wind- geschützter sollte ihr Standort im Garten sein.

Auch Sorten, deren Tepalen (Blütenblätter) geringe Strukturfestigkeit aufweisen, sollten windgeschützt stehen. Hierzu zählen u.a. die Massensorte 'Susan', die recht bekannte 'Galaxy' und die fantastische 'Daybreak' in ihren Designer-Farben.

Aber auch andere 'flatterblütige' Kandidaten genießen während der Blütezeit gerne windberuhigte Situationen, um ihre Pracht bestmöglich zu entfalten:

Die 'Sternmagnolien', die schöne 'Leonard Messel' und ihr Sämling 'Raspberry Fun' oder die ganz wunderbare 'Wada's Memory' überzeugen ohne 'zersausten'  Flor doch viel eher..!


Dies gilt entsprechend natürlich auch für alle groß- und riesenlaubförmigen Sommerblühern, allen voran die exzellente Magnolia macrophylla, die unglaubliche Magnolia tripetala ‚Bloomfield’, die 'urzeitliche' Magnolia officinalis, die 'ananasduftende' Magnolia obovata u.v.a..


 

 

Platzbedarf und Pflanzdichte

Eine zentrale Frage ist der spätere Platzbedarf für eine bestmögliche Entfaltung und Reifung ihrer Magnolie.

Bei baumförmig wachsenden Magnolien sollte hier ein Durchmesser von 4 – 8m pro Pflanze angesetzt werden, bei klein- und strauchförmig sowie säulenförmig wachsenden Sorten können die Werte entsprechend korrigiert werden.

In vielen ‚reifen’ Gärten enthusiastischer Gehölzsammler kann man die Effekte zu geringer Pflanzabstände, die mit einem permanten Nährstoff- und Lichtwettbewerb einhergehen, oft sehr deutlich ablesen:

Rasch entwickelt sich ein ‚Kronendach’, das zunehmend Schattenzonen produziert.
Bodennahe Äste von Magnolien stellen dann zunächst das Blühen ein, bevor sich die Pflanze schließlich ganz von Ihnen trennt – nur wer noch Sonnenlicht erreicht, darf bleiben !

Bei baumförmigen Magnolien rückt die Bewunderung der wundervollen Blütenpracht alsbald in immer luftigere Höhen.

Aber wer mag erst eine Leiter anstellen müssen, um den betörenden Duft und den grazilen Charme einer Magnolienblüte zu genießen?

Besonders kleinwüchsige, strauchförmige Magnoliensorten und -arten muss ausreichender Zugang zum Sonnenlicht erhalten werden, da sie einen ‚Wettlauf’ zum Licht mit umgebenden, stärker wachsenden Gehölzen immer verlieren werden.

 
Zugegeben:

Wie oft waren wir selbst schon ’Opfer’ einer fehlenden Weitsicht - gab es da doch noch unbedingt diese kleine Neuheit und jede Rarität im schon bestehenden Ensemble unterzu- bringen..….!

Einige Jahre später kommt man dann schlauer ‚vom Rathaus’, den Einsatz der Säge konnte aber die gereifte Erkenntnis meist nicht verhindern.

Begreifen wir uns als 'Lernende' in unserem Garten, so kann man auch mit den eigenen Fehlern und Schwächen beim Gärtnern recht gut zurecht.


Und ehrlich: Wenn uns eine Neuheit so richtig 'zwickt', dann pflanzen wir auch heute eher noch eine Pflanze zu viel......

 

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